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Montag, 18. Oktober 2010

Unters Volk mischen...

An diesem Wochenende haben wir uns mal sehr unters Volk der schwarzen Suedafrikaner gemischt. Diese Beschreibung entspricht dem Grossteil der Einwohner Suedafrikas und unserer Scouts. Am Freitag haben wir eine Gruppenstunden der Girl Guide geleitet, am Samstag waren wir zum Essen eingeladen und anschliessend auf einer Party und am Sonntag haben wir einen 21. Geburtstag gefeiert. Tatort: Die Townships der Umgegung

Die Gruppenstunde am Freitag hat noch in der Scout Hall in Nelspruit stattgefunden. Wir haben Nikki an dem Tag ersetzt und nette 1,5 stunden zum Thema Umgang mit behinderten Menschen gefuellt. 
Dieses Thema fehlte ihnen noch um einen neuen Badge zu machen und um die 6 Maedels auf den Besuch einer Schule fuer Kinder mit DownSyndrom vorzubereiten. Es war toll, dass ich schon viel Erfahrung auf dem Gebiet hatte. Nach ein paar Kennlernspiele aus Deutschland haben wir ein bisschen mit Theorie und kleinen Schauspielen Hintergrundwissen vermittelt, um dann die Beieintraechtigung durch Behinderungen an hand verschiedener Spiele selbst zu erleben. Das ganze hat uns echt viel Spass gemacht und ich hoffe, den Maedels auch. 


Am Samstag ging es dann im Township weiter mit der Erfahrung mit Einheimischen...
Am besten gebe ich zuerst einen kurzen Einblick, was ein Township ist... Townships sind laendliche Gebiete in denen eine Grosszahl des Volks wohnt. Die Bewohner sind ausnahmslos schwarz und meist aus aermeren Verhaelnissen, aber auch Arbeiter wie Lucky und angehende Studenten wie Henry. Die Gebiete und Grundstuecke sind im Gegensatz zu Slums recht gross, denn in Afrika mangelt es zuletzt am Platz! Die meisten Haeuser dort sind aus Steinen gebaut und haben ein einfaches Wellblechdach, sind aber nicht verputzt und sehen deshalb wie Rohbuaten sehr unfertig aus. Der Wert eines Grundstuecks wird uebrigens nicht nach seiner Groesse, sondern nach der Anzahl von Steinen bemessen. Fliessend Wasser gibt es nur seltend in den Haeusern und die Toilette ist allermeistens ein Plumsklo ausserhalb des Wohnhauses. Die Wohnbedingungen sind recht unterschiedlich, von voll moeblierten schicken Haeusern bis zu einfachen Einzimmerwohnungen. Nur die Durchgangsstrasse ist geteert, alles andere sind holprige DustRoads. Die Fortbewegung geschieht naemlich hauptsaechlich zu Fuss oder per MiniTaxi, daher kommen die meisten Bewohner auch selten aus den Townships raus. Neben den Bewohnern, die sich hauptsaechlich auf der Strasse aufhalten, leben dort auch viele Hunde und Huehner frei.
Beide Erlebnisse waren wirklich sehr interessant und gehoeren zu den besten, die ich hier bis jetzt gemacht habe.
Der Besuch der Township-Party war zuvor etwas umstritten, und auch wir waren unsicher, ob wir der Einladung folgen sollten. Aber da wir Ansaessige kannten, in deren Begleitung wir die ganze Zeit waren, gab es kaum mehr ein Risiko. Wir haben uns gegen fruehen Abend zum Essen getroffen und als traditionelles deutsches Essen Kartoffel- und Nudelsalat mitgebracht. Typisch suedafrianisch gab es (mal wieder) Pap und Chicken. Nur dass hier immer direkt ein ganzes Huhn in den Topf geschmissen wird und dann auch die Fuesse und der Kopf gegessen werden. Die Afrikaner sind halt nicht so waehlerisch wie wir. Wir haben auch so eine Kralle probiert, wo wahrlich nicht viel Fleisch dran ist. Ich war dann aber doch etwas verschreckt, wie ich gesehen habe, wie ein Einheimischer diese zu sich nimmt. So wird jede Zehe einzeln abgebissen, abgelutscht und dann ausgespruckt… Hmm ;-)

Die Party im Anschluss war toll. Es gab einen kleinen Raum, wo Getraenke (hinter Gitterstangen) verkauft wurden und die Musikanlage stand. Die riesigen Boxen, welche mit total lauter Musik voll ueberladen wurden standen draussen, wo das meiste Geschehen statt gefunden hat.

Es waren etwa 50-60 Leute da, allerdings nur ca. 6 Maedels. Viele standen und sassen rum und waren sich am unterhalten, ein Grill brannte, aber viele Leute befanden sich auf der Tanzflaeche, wo im warsten Sinne des Wortes einfach abgespackt wurde. Die Leute haben einfach total unterschiedlich und witzig getanzt, jeder hatte seinen einen Stiel und seine eigenen Moves und das war echt beeindruckend. Dieses ausgelassene 

Abzappeln hat echt angesteckt und nachdem ich zunaechst auf unserer Stelle am Rand nicht mehr ruhig bleiben konnte, wurden wir bald ins Geschehen eingebettet. Elli und ich hatten beide sehr bemuehte Tanzpartnerinnen und jeder Mann wurde arg weggeschickt. Das war wirklich angenehm… So haben wir gegenseitig Tanzstiele voneinander abgeguckt und hatten einfach Spass. Dann haben wir noch lange beisammen gestanden und uns unterhalten. Und wenn die Townshipbewohner einmal warm werden, wollen sie einen gleich heiraten (zumindest die Maedels) oder als besten Freund und alle kommen einen in Deutschland besuchen. ;-)

Die Scouts, Henry und Toulani mit denen wir dort waren hatten die ganze Zeit ein sicheres Auge auf uns, so dass wir trotz einiger zwiespaeltiger Blicke und Gefuehle uns doch sehr sicher fuehlen konnten.
Vielen Dank fuer die tolle Erfahrung ihr Zwei!



Nach diesem kurlturellen Einblick ging es am Sonntag gleich weiter. 
Wir waren in einem anderen Township auf einen 21. Geburtstag eingeladen, der um 9h morgens beginnen sollte. Wir dachten an einen schoenen Tag im Kreise der Freunde und wurden eines besseren belehrt, als wir ankamen. Auf dem kleinen Gelaende der Familie waren bereits ca. 60 Personen allen Alters versammelt. Zudem gab es ein Zelt, in dem Stuehle aufgestellt wurden und eine Tafel mit grossen Torten und viel Suesskram. Das Zelt war gefuellt mit einer Grosszahl von Anhaengern einer Kirche, die ein besonderes Gewand trugen. 


Die Schluesselubergabe durch die Eltern
 Dann kamen Mduduzi, das Geburtstagskind mit seinen Freunden und Freundinnen dazu. Aber das Betreten des Gelaende brachte seine erste Zeremonie mit sich, da sie sich in ihren chicken Kleidern und Anzuegen mit einem langen Tanz bis ins Zelt bewegten und dort hinter der Tafel Platz nahmen. 
(Die Kleidung entsprach nicht der Vorstellung typisch afrikanischer Kleidung sondern eher europaeischer Ballkleidung, die ein wenig im Gegensatz zur Kolisse stand) Wir wurden direkt in die erste Reihe gesetzt, auf die “Ehrenplaetze”. Dann nahm die ca. 3 stuendige Zeremonie ihren Lauf. Wir bekamen einen Ablaufplan und viele Geschehnisse wurden uns von den anwesenden Pfadfindern uebersetzt.
Warum das ganze so gross war? Der 21. Geburtstag ist im Township was ganz besonderes und falls man noch Eltern hat und eine gewisse Reifepruefung hinter sich gebracht hat, wird er so gross gefeiert. Die Reifepruefung beinhaltet, dass man sich nicht auf vielen Parties herumgetrieben hat, noch keine Kinder hat und ein zuechtiges Leben gelebt hat (oder zumindets die Familie in dem Glauben laesst). Dann bekommt man an diesem Ehrentag von den Eltern (oder ggf. Freunden) einen Schluessel uebergeben, der Schluessel fuer die Freiheit zum Leben. Ab jetzt darf Mduduzi ein Haus bauen und eine Familie gruenden. 
 
Zu der einsetztenden Zeremonie gehorten verschiedene Reden und Danksagungen von vielen Leuten, wobei auch wir spontan etwas erzaehlen mussten. Zwischendurch kamen immer wieder andere Gemeinden in ihren ganz eigenen klassischen Trachten dazu, die gesungen und perfomt haben. Viel Spass hatten wir auch an den Taenzen der Kinder, die in typischen Bastroecken aufgetreten sind.

Es wurde gesungen und gebetet, Anekdoten erzaehlt und eine lange Zeit Geschenke uebergeben, wobei auch dort zu jedem eine Geschichte gehoerte. Alle Reden wurden immer mit dem getriller der Frauen bejubelt und das ganze war nicht so statisch und gesittet wie bei uns, sondern sehr lebendig und froehlich!
Nach der Zeremonie gab es Essen, wobei uns gefuellte Teller mit Schakalaka, Chicken, Pup, einem Bohnensalat und Roter Beete gereicht wurden. Traditionell haben wir mit den Haenden gegessen. Mir wurde gezeigt, wie die Frauen ihre Tuecher auf dem Kopf wickeln, was ich dann gleich tragen sollte^^ Danach haben wir mit den Pfadfindern so wie Mduduzu Spiele ausgetauscht und gespielt und kleine Sprachexkursionen bekommen und erteilt. Nachdem wir die Begrussungen konnten, wurden wir dazu gebracht, die Eltern kennenzulernen und auf Siswati zu begruessen. Die ganze Zeit lief laute Musik und Menschen waren am Tanzen. Auch wir wurden mehrmals dazu aufgefordert und nachdem aller Scham abgefallen war haben wir uns dazu hergegeben einige klassiche Taenze zu lernen. Das war ein grosser Spass! 

 
Nach einem sehr langen, interessanten und beeindruckendem Tag haben wir uns dann gegen 17.30h wieder gegen Heimat aufgemacht und alles bei einem gemuetlichen Film im Cottage verdaut.

1 Kommentar:

  1. Oooohhh... Wenn ich das so lese.... Die Numbi Scouts sind einfach die besten!! Bitte richte Mduduzi einen wunderschönen Gruß zum Geburtstag aus, auch wenn er vielleicht schon ein wenig spät kommt.
    Hatte vorher deinen blog noch nicht gesehen ;-)
    Weiter so und liebe Grüße!!!
    Maja

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